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Die Vergegenwärtigung des Atems | Die Metta-Bhavana oder Liebende-Güte-Mediation

Metta Bhavana oder Liebende-Güte-Meditation

Diese Meditation dient der Entwicklung ("bhavana" auf Pali) von bedingungsloser Freundlichkeit und Wohlwollen ("metta" auf Pali) gegenüber allen Lebenwesen. Meist unterscheiden wir sehr klar, wem gegenüber wir Wohlwollen empfinden und wem gegenüber nicht. Wer es "verdient" und wer nicht, wer uns nahe steht und wer nicht. Diese Meditation geht von der Annahme aus, dass es zwischen uns und anderen Lebewesen keinen Unterschied gibt, alle wollen leben, alle wollen glücklich sein. Wenn wir das erkennen, öffnet sich unser Herz und unser Geist lässt los.

Wir unterrichten die Metta Bhavana in fünf Abschnitten. Zunächst setzen wir uns in Meditationshaltung, schließen die Augen und verwenden etwas Zeit darauf, uns unseres Körpers bewusst zu werden. Wir können auch ein paar Minuten lang unseren Atem spüren, bevor wir mit der ersten Stufe beginnen.

1. Zunächst entwickeln wir Metta für uns selbst. Dabei geht es weniger darum, etwas Neues herzustellen, als darum, Vorhandenes zu nähren und sich entfalten zu lassen. Wir suchen in unserer Erfahrung nach angenehmen Elementen, und versuchen, uns selbst mit Wärme und Mitgefühl zu begegnen, egal wie unsere gegenwärtige Erfahrung ist. Wir wünschen uns selbst Wohlergehen. Dabei können wir Worte, Bilder oder körperliche Erfahrungen benutzen.

2. Im zweiten Abschnitten bringen wir einen Menschen, mit dem wir uns sehr verbunden fühlen, in unser Gewahrsein. (Am Anfang ist es hilfreich, niemanden zu wählen, zu dem wir uns sexuell hingezogen fühlen, und niemanden aus der direkten Familie). Wir werden uns bewusst, wie wir auf diese Person reagieren. In der Regel werden es warme Gefühle und Gedanken sein. Wir richten unsere Aufmerksamkeit ganz auf die andere Person und auf unseren Wunsch, dass es ihr gut gehen möge.

3. Zunächst kehren wir kurz zu uns selbst zurück und stellen fest, ob wir uns selbst gegenüber noch wohlwollend empfinden. Dann bringen wir eine "neutrale" Person in unser Bewusstsein, jemand, den wir nur flüchtig kennen, der uns in der Regel "egal" ist. Wir beobachten, wie wir auf diese Person innerlich "antworten" und machen uns dann bewusst, dass diese Person ein Mensch ist wie wir, die einfach nur glücklich sein will. Wir lassen eine innere Haltung des warmen Wohlwollens in uns entstehen.

4. Wieder kehren wir kurz zu uns selbst zurück. Dann bringen wir eine Person in unser Gewahrsein, mit der wir uns nicht verstehen, jemand, den wir schwierig finden. (Am Anfang ist es gut, nicht gerade den Erzfeind zu wählen). Vielleicht fühlt es sich angenehm an, sie uns nicht ganz so "nah" vorzustellen. Dann versuchen wir auch dieser Person mit Wärme und Mitgefühl zu begegnen. Auch diese Person will letztendlich nur glücklich sein. Vielleicht stellen wir nach einer Weile fest, dass sie uns "näher" gerückt ist.

5. Noch einmal kehren wir kurz zu uns selbst zurück und stellen sicher, dass wir uns selbst gegenüber weiterhin Wohlwollen spüren. Dann bringen wir die anderen drei Personen ebenfalls in unser Gewahrsein – die uns nah stehende Person, die neutrale Person und die Person, die wir schwierig finden. Wir versuchen allen gegenüber, die gleiche warme wohlwollende Haltung einzunehmen. Alle wollen frei von Leiden, alle wollen glücklich sein. Dann dehnen wir unsere wohlwollende Haltung in immer größeren Kreisen aus, bis sie schließlich alle Lebewesen im gesamten Universum umfasst.

Zum Abschluss kehren wir wieder zu uns selbst und unserer Körpererfahrung zurück und spüren noch ein bisschen nach. Dann werden wir uns unserer Umgebung bewusst. Wenn wir wollen, können wir leicht unseren Kopf oder unsere Hände bewegen und öffnen dann wieder die Augen.